Chronik – Die kurze Geschichte vom Auszeithaus

Eine kurze Auszeithaus Geschichte. Wie aus dem Vorhaben ein Seminarhaus zu bauen das Auszeithaus mit seinen Ferienwohnungen wurde.

Manchmal sind die spontanen Ideen, die Besten. Naja, jedenfalls die Lehrreichsten.

Alles begann mit einem Zeitungsartikel

An einem Mittwochvormittag im Februar 2017 erhielt ich ein Foto per Whatsapp. Es handelte sich um einen Zeitungbericht zu geplanten und nun endgültig genehmigten Bauvorhaben in dem Dorf nahe Freising, in dem ich seinerzeit wohnte. Nach Ende der Lektüre war mir klar, dass ich diese Veränderung des Dorfes nicht mit ansehen wollte.

Träume und Ideen

In mir regte sich die Erinnerung an einen Traum, den ich schon lange gehegt hatte. Zum einen wollte schon lange auf einem Bauernhof leben, andererseits war da ein noch stärkerer Wunsch. Seit 2013 hatte ich im Rahmen meiner Fortbildungen zum Coach viel Zeit auf Seminaren verbracht. Ich wurde zum “Seminarjunkie”.  Was war es, das mich so süchtig nach Fortbildungen machte? Nicht nur die Inhalte dieser Fortbildungen haben mich begeistert. Was mich zusätzlich so sehr in seinen Bann gezogen hatte, war die Atmosphäre, der Umgang der Teilnehmer untereinander, schlicht das Flair des Seminarbetriebes. So entstand der Traum, immer in so einem Flair zu leben, indem ich selbst ein kleines Seminarhaus führen wollte.

Ideen folgen Taten

Noch am selben Tag, stöberte ich auf verschiedenen Immobilienseiten und fand heraus, dass man sehr weit weg vom Münchner Speckgürtel suchen muss, um etwas halbwegs Bezahlbares und gleichzeitig Bewohnbares zu finden. Die Suche erstreckte sich immer weiter in den Osten Bayerns. Ebenfalls noch am selben Tag schrieb ich 4 Makler an um Besichtigungstermine zu vereinbaren. Bereits 10 Tage später fand die erste Besichtigung statt. Bei dieser ersten Besichtigung handelte es sich um das heutige Auszeithaus, die anderen Termine hatte ich sofort abgesagt.

Von der Entscheidung bis zum Einzug vergingen 5 Monate, Diese Zeit war geprägt vom Verkauf des bisherigen Hauses, Kostenvoranschläge einholen, Businessplan erstellen, Finanzierung, plötzliche Sorge ob überhaupt DSL im neuen Haus möglich ist und zuletzt echte Panik, da die Vorbesitzer plötzlich ohne neue Bleibe dastanden, weil sich deren Hauskauf zerschlagen hatte. Im September 2017 bezog ich das neue Domizil und mußte schnell erkennen, dass viele Dinge nicht ganz so einfach sind, wie in der ersten Begeisterung zusammenerträumt. Ich hatte an vielen Stellen nicht genau genug hingesehen und bei zu vielen Themen mehr Augen zugedrückt als ein Mensch haben kann. Außerdem hatte ich nicht genügend recherchiert und bin vollkommen blind und naiv ein Vorhaben getappt, das im Nachhinein ziemlich verrückt erscheint.

Ernüchterung

Sehr schnell wich die Begeisterung einer vorerst noch moderaten Ernüchterung. Im Zuge der Renovierungsmaßnahmen und Aufräumarbeiten, die nie enden wollten, stellte sich immer deutlicher heraus: Ich hatte eine zugemüllte Bruchbude gekauft. Noch 2 Jahre nach dem Einzug fanden wir bei Arbeiten auf dem Gelände noch vergrabenen Unrat. Mindestens 3 Tonnen – tendenziell aber eher 4 Tonnen an Sperrmüll haben wir über 2 Jahre verteilt an der Umladestation entsorgt. Ohne Einrechnung von Bauschutt und Schrott.

Am Anfang hatte ich noch geglaubt, ein bisschen Farbe und ein paar kleine Reparaturen würden ausreichen, um das Haus schick zu machen. Auch hatte ich gedacht, das Budget, das ich angesetzt hatte würde locker reichen um alles so zu gestalten wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich wurde im Laufe der folgenden 2 Jahre laufend eines Besseren belehrt. 2018 war ein Jahr in dem kaum ein Tag ohne Katastrophe oder Hiobsbotschaft verging. Mittlerweile war der Plan daraus ein Seminarhaus zu machen längst verworfen. Zu blauäugig hatte ich gedacht, das könnte man einfach so mal machen.

Studio Appartement

Im Herbst 2018 war das Budget für Handwerkerleistungen verbraucht und noch nicht einmal die Hälfte der Arbeiten geschafft. Glücklicherweise war im August 2018, mein inzwischen Lebensgefährte, Tobias aufgetaucht. Nur noch zu zweit stellten wir zunächst das Studio Appartement fertig, teilweise mit 18 Stunden pro Tag auf der Baustelle bis Mitternacht. Die ersten Gäste empfingen wir am 29.12.2018.

XL-Suite

Zeit zum Verschnaufen blieb nicht, eine zweite Wohnung (XL-Suite) musste fertig gestellt werden. Wieder einmal ging ich davon aus, es wären nur noch ein” paar Kleinigkeiten”; ein neuer Boden, eine Tür, eine Küche, ein paar Möbel und fertig. Und wieder weit gefehlt. Es wurden: Eine neue Wand, eine zusätzliche Abstellkammer, 6 neue Türen, 4 alte Zargen 6x gestrichen, der Einbau der Küche der heute noch Alpträume macht, die aufwändige Restauration alter Chippendale Möbel, der Bau eines Tagesbettes, der wesentlich komplexer war, als es zuerst den Anschein hatte, Tapezieren weil weiße Wände einfach zu langweilig waren, alle Fenster und Türen abschleifen und lasieren, den gesamten Balkon abschleifen und lasieren, Sockelleisten die Tobias fast in den Wahnsinn getrieben haben, da die Trockenbauer im Jahr zuvor beim Abschrauben gespart hatten, und wahrscheinlich vieles mehr das ich inzwischen verdrängt habe.

Erst am 3.8.2019 war die XL-Suite bezugsbereit. 7 Monate haben die “Kleinigkeiten” gebraucht und auch zu dieser Zeit waren 16-Stunden Tage an der Tagesordnung, denn ich hatte parallel noch einen 40-Stunden-Job bei einem IT-Unternehmen. Nach Feierabend und am Wochenende – Baustelle. Wenn nicht Baustelle, dann Tiere versorgen oder Baumaterial besorgen. Freizeit Fremdwort, Entspannung Fremdwort und zu all dem noch einige Probleme zu denen ich mich öffentlich nicht äußern möchte und sollte. Die ersten Gäste bezogen die Wohnung am 5.8.2019. Ein paar Tage später erhielt ich an anderer Stelle einen Tiefschlag der vorhersehbar gewesen war, mein Ego gekränkt hat, sich eine zwischendurch als Glückfall herausstelle und mit Corona wieder zum Problem wurde – jedenfalls alle Pläne nochmals über den Haufen werfen sollte.

Reduktion der Schmuddelecken

Im August und September 2019 widmeten wir uns intensiv der lange vernachlässigten Pflege des Außenbereiches, der war ein Schandfleck zum Schämen gewesen, und nun fing auch der Garten an wieder Form anzunehmen. Der alte Teich und der Rasen vor der Terrasse wurden vorbereitet für die ersten Kieslieferungen, Ebenso die Wege zum Gemüsegarten und Hühnerstall. Kleine Mäuerchen haben wir gemauert und die Treppe repariert. Es sollte allerdings bis Juli 2020 dauern bis der gesamte Kies für die Sitzbereiche geliefert wurde.

Kamin Suite

Im Oktober 2019 konnten wir endlich mit dem “Aufhübschen” der zukünftigen Kamin-Suite beginnen. Naja, auch hier war es mit ein bisschen Farbe nicht getan. Wintergarten und Küche brauchten dringend neue Böden, das WC wurde komplett entkernt und neu gebaut und ein 2. Schlafzimmer wurde vom übergroßen Wohnzimmer abgezwackt, jetzt ist das Wohnzimmer nur noch groß statt übergroß. Immerhin konnten wir mit unseren Familien das Weihnachtsfest mit viel Platz vor dem offenen Kamin in dieser wunderschönen Wohnung feiern, auch wenn noch nicht alles fertig war.

Bis der Kronleuchter im Wintergarten endgültig hing sollten auch wieder einige Wochen vergehen. Ende Januar 2020 haben wir die Wohnung für fertiggestellt und vermietungsfähig erklärt. Jipppiiiiie! Wohnung Nr. 3 geschafft.

Frustration

Bereits im März 2019 hatten die Sanitärinstallationen in der zukünftigen Luxus-Suite begonnen und waren im April abgeschlossen. Bis August 2019 haben wir gebraucht um einen Elektriker zu finden. Der kam auch Ende August für 2 halbe Tage, schrieb eine Abschlagsrechnung für 3.000 Euro (für ca 6 Stunden Arbeit und ein paar Leerrohre und Kabel) um anschließend für einem Monat in Urlaub zu fliegen und sich dann nicht wieder blicken zu lassen, jedenfalls nicht freiwillig. Erst im April 2020 (7 Monate später) tauchte er wieder auf, hat diesmal 2 Tage Tage arbeiten lassen (also nicht selbst), natürlich war auch dann noch nichts so weit fertig dass man mit weiteren Gewerken fortfahren könnte – Hauptsache er schrieb wieder eine Rechnung – nochmals für 3.000 Euro. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man darüber lachen. Wir lachen inzwischen trotzdem – Galgenhumor.

Corona – Existenzängste und Panik

Anfang Februar 2020 waren 3 Wohnungen fertig, bereit zum Durchstarten und voller Vorfreude auf sehr gute Buchungslagen für März, April und Mai 2020.

Mit einem Restbudget, das ich bis dahin zusammengespart hatte wollten wir an der LUXUS-Suite weiterarbeiten. Ohne den Stress eines Fertigstellungsdatums… dann kam CORONA. Eine schlimmere Katastrophe zu einem schlechteren Zeitpunkt hätte sich nicht einmal ein guter Dramaturg einfallen lassen können.

Ab Mitte März wurden fast alle Buchungen storniert. Wochenlang hatten wir keine Ahnung wie es weitergeht, phasenweise kamen Zweifel auf, ob es jemals weitergeht. Das Restbudget für die LUXUS-Suite wurde vom Corona-Shutdown aufgefressen, ohne Aussicht auf Ersatz. Wir wissen auch heute noch nicht, wann und ob wir dort weitermachen können. Die Sorge vor einem zweiten Shutdown lauert immer im Hinterkopf.

Das Beste draus machen

Die Zeit des Shutdown hatte trotz allem auch seine guten Seiten. Das Wetter war perfekt für Gartenarbeit, 8 Wochen habe ich die meiste Zeit des Tages auf Händen und Knien im Garten verbracht, Tobias hat die Fassade renoviert und das Gartentor lackiert, unser Gemüsegarten hat jetzt Hochbeete und ein neue Struktur und wir hatten Zeit einen Teil des Stalles für Hühner vorzubereiten – Ende März zogen wir los und kauften unsere Hühner Gertrude, Helga, Brunhilde, Klara und Aura. Die kleine gackernde Straßengang ist nicht mehr vom Hof wegzudenken, keine Ahnung wie wir vorher ohne Hühner leben konnten.

Lichtblick und Ziele

Seit 30.5.2020 geht es wieder weiter. Wir durften in diesem Sommer viele neue Gäste begrüßen und freuen uns auch sehr darüber bereits im 2. Sommer schon Stammgäste wieder zu sehen. Ich freue mich auch sehr darüber, dass der Anteil der Direktbuchungen im Vergleich zum Vorjahr von 33% auf 50% gestiegen ist, ein großer Schritt in die gewünschte Richtung sich von den Buchungsportalen so weit als möglich zu lösen. Ziel für 2021 ist es über 70% der Buchungen direkt abzuwickeln.

100 Dinge hätte ich besser anders gemacht

Es entspricht sicher nicht dem Marketing- und Selbstinszenierungs-Zeitgeist,  von Schattenseiten eines solchen Projektes zu erzählen. Das Netz ist voller wunderschöner bunter Bildchen und toller Erfolgsgeschichten. Die harte Arbeit hinter diesen Geschichten wird als schwammige Worthülse in den Raum geworfen. Oft wünschte ich, ich hätte in den letzten 3 Jahren Tagebuch geführt und viele Male habe ich mich geärgert, keine “Vorher”-Fotos gemacht zu haben. Die Fehler die vom Kauf bis zum heutigen Tage in diesem Projekt passiert sind, haben mich mehr gelehrt als ich in meinem bisherigen Leben in Schule, Arbeit, Fortbildung und vom Leben gelernt habe. Wahrscheinlich könnte ich ein Buch schreiben mit dem Titel “100 Dinge die ich anders gemacht hätte, wenn ich mit dem jetzigen Wissen nochmal von vorne anfangen könnte”. Aber wie sagt man so schön: Hinterher kann jeder schlau daherreden.

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